7,1 Millionen Einwohner auf 2600 Höhenmetern. Es gibt weder Frühling, Sommer, Herbst noch Winter, sondern immer nur einen goldenen Oktobermorgen, einen grauen Novemberabend und eine frische, sehr frische Bergnacht in der Regelmäßigkeit der äquatorialen Tag-Nacht-Gleiche von ziemlich exakt zwölf Stunden. Natürlich gibt es keine Heizungen; die Stadt wurde schließlich von Spaniern gegründet und von deren Nachfahren, den Hispanics und Kreolen weiter gebaut. Morgens scheint die Sonne und brennt und sticht in die Augen und auf der Haut. Im Laufe des Nachmittags ergießen sich die Wolken aus dem umliegenden 3000 Meter hohen Bergen in die Hochebene und liegen wie eine grau-weiße Decke direkt auf den Dächern der Stadt. Die Deckenhöhe schrumpft zusammen bis man glaubt mit den Händen die Wolken greifen zu können.
Kleine Tiendas verkaufen irgendwie alles, was man hier zum Leben braucht. Doch die Kaufkraft der Einheimischen ist gering und entsprechend hat sich das Angebot an die geringe Kaufkraft angepasst. Kleinkünstler präsentieren auf Decken selbstgebastelte Gegenstände aus kostengünstigen Materialien, deren ästhetische Ansehnlichkeit sich am besten mit der Frage umschreiben lässt: "Ist das Kunst, oder kann das weg?" Fast eine ganze Hundertschaft von Polizisten läuft in bedrohlich wirkenden Fünfergruppen die Bereiche auf und rundum der Septima ab. Obdachlose, die auf der Septima schlafen und oder in den Nebenstraßen ihre Notdurft verrichteten, werden aufgescheucht und kontrolliert. Taschenkontrollen werden durchgeführt. Kleinkünstler und Straßenmusiker geprüft. Die Hauswände in der Innenstadt sind übersät mit guter professioneller Straßenkunst und Graffiti.
"La revolución será feminista o no será - Die Revolution ist entweder feministisch oder gar nicht"
"No a la violencia contra la mujer y las niñas - Nein zur Gewalt gegen Frauen und Mädchen"
"Polite pudrase Gonorrea - Politik(er) ist/sind/haben verfaulte Gonorrhö"
"Cuál justicia? - Welche/Wessen Justiz/Gerechtigkeit?"
"Pienso luego estorbo - Ich denke, also störe ich."
Mit den vielen öffentlichen, autonomen und privaten Universitäten, den vielen Theatern und Bibliotheken gibt es hier auch viel junges und studentisches Volk mit den entsprechenden Potential zum kritischen Denken. In Cartagena ist es viel zu heiß um sich aufzuregen und zu Widerstand aufzurufen. Viele Vorfahren der Cartagena Bevölkerung waren Sklaven im spanischen kolonialreich und über Jahrhunderte vom Zugang zur Bildung ausgeschlossen. In Bogota scheinen vor allem Spanier, Hispanics und Kreolen zu leben. Es gibt einen europäischen Bildungs- und Kulturhintergrund. In Bogota hörten wir zum allerersten Mal auf südamerikanischen Straße mal keinen karibischen Rumba sondern Hardrock-, Heavy Metal-, und Punk-Musik.
Bogotá ist kein UNESCO-Weltkulturerbe, sondern eine moderne Stadt mit Problemen der dritten Welt.
Ein Architektur-Highlight, welches leider nicht in den Reiseführern steht, ist die Kirche Iglesia del Carmen: Der Bau begann 1926 und wurde in einem spannenden Mix aus roten und weißen Steinen im neugotischen Stil mit modernen Verzierungen durchgeführt. Schaut selbst:
Und unsere Dachterrasse bot uns auch einige entspannte Stunden zum Entspannen.
Und hellauf begeistert waren wir natürlich, als wir im Goldmuseum die Goldschätze aus Teyuna, der Ciudad Pérdida, vom Volk der Tayrona besichtigen durften:
Im Künstler Viertel La Calendaria geht es weiter mit nächtlicher Unterhaltung:
Tänzer tanzen, Akrobaten springen, öffentliche Stand Up Comedy und arty Restaurants.
Im Restaurant Merlin dreht sich alles um Pilze (Zauberpilze?!). Die Umschläge der Speisekarten sind handgemacht, der Saft wird in großen Zaubertrankphiolen (Aufschrift Charisma), Bier in Pokalen serviert und sogar auf den Tisch befinden sich Merlin Gravuren.
Und zu guter letzt: Kolumbianer scheißen auf süße Kaninchen.
Bogotá, 31. Dezember 2018, ca. 9:30 Uhr


















































