Zur Blütezeit des Burgunds, als zahlreiche Klöster und Städte gegründet wurden entdeckte man neben dem Wein eine zweite Einnahmequelle: den Tourismus. Das hat sich seit knapp 1000 Jahren nicht geändert.
Da damals aber niemand wegen der Landschaft verreiste und die Kirchen ja noch im Bau waren, was Unsummen kostete, beschaffte man sich irgendwo her die Knochen irgendeines Märtyrers oder sonstwie Heiligen und schon strömten die Pilger und alle, von Wirt bis Wegelagerer, machten Kasse. Und die Abteien erst recht. Eines der Ziele, am französischen Jakobsweg gelegen, war/ist Vezelay.
Auf der anderen Seite des Morvan gelegen, fuhr ich zunächst über angenehm leere Landstraßen durch das schöne Mittelgebirge, den Rest dann auf einer Nationalstraße. Hier gilt ja, je kleiner und unübersichtlicher sie Straße, desto schlimmer wird gerast. Auf der dreispurigen Autobahn zwischen Dijon und Beaune fuhr niemand außer mir schneller als 100 km/h (erlaubt sind 120 )! Autobahn als deutsche Kernkompetenz.
In Vezelay angekommen, ärgerte ich mich über die nicht existierende Ausschilderung zu den Parkplätzen. Nachdem ich einmal wieder raus und in einem sehr weiten Bogen wieder hinein gefahren war, ärgerte ich mich erneut diesmal über den Ticketautomaten, der nach ewiger Tipperei und sinnlosen Eingaben (Nummernschild!?) kein Ticket rausrückte. Dann eben nicht.
Mittlerweile hatte ohnehin die Mittagsmesse begonnen, da beschloss ich, in der netten Bar nebenan einzukehren. Obwohl sonst eher Snacks und Kuchen auf der Karte, waren Steak frites im Angebot, sogar mit Herkunftsbezeichnung. Das dadurch erweckte Vertrauen wurde nicht enttäuscht.
Darob heiterer gestimmt, stieg ich durch die lange Gasse des Dörfchen zur Kirche auf. Das hübsche Dörfchen bestand eigentlich fast nur aus dieser Gasse, in der sich Boutique an Restaurant reihte. Das Ganze hat sich vermutlich, bis auf die angebotene Ware, seit dem Mittelalter nicht verändert.
Draußen empfängt die Kirche St. Madeleine mit einem Tympanon, das -natürlich- das Jüngste Gericht zeigt. Ist ja auch eine gute Reklame, um die Leute zum Pilgern, Büßen und Spenden zu bringen.
Aber schöne Aussicht! Und auch der Blick von der Landstraße zur auf dem Hügel thronenden Kirche ist hübsch.
Im Ort gibt es viele Galerien, Ateliers und die Sammlung Zervos mit Werken der klassischen Moderne im Wohnhaus des Schriftstellers Romain Rolland.
Am Abend dann ein letztes Picknick im Schlosspark mit Katze.
Beim Anblick der weißen Charolaise-Rindern im Sonnenuntergang hatte ich schon kurz ein schlechtes Gewissen wegen des Steak frites...












































































