Dienstag, 27. Januar 2026

Nationalpark Rincón de la Vieja und die Weiterfahrt

Am Sonntag besuchten wir den Nationalpark Rincón de la Vieja.

Etliche große und kleine Hindernisse begegneten uns allein schon bis 9 Uhr morgens: früh aufstehen ohne Frühstück, Kriebelmückenbisse, die uns wahnsinnig machen, irgendwas mit dem Auto-Wifi-Internetzugang, irgendwas mit Google Maps, Privatstraße mit Mautgebühr, eine löchrige Privatstraße mit Abgründen so groß wie Wagenräder (wofür haben wir eigentlich gezahlt?), Ankunft 7:30 Uhr, der Park öffnet erst um 8 Uhr?!!, Eintrittskarten müssen zwingend online gekauft werden, die Website ist teils in englisch, teils in spanisch, teils in bürokratisch verfasst, zum Kaufen eines Tickets muss erst auf "Buy", danach auf "reservar" geklickt werden (früher hat man ja erst reserviert und dann gekauft), und dann dringend die Steuerbescheinigung deaktiviert werden und neben den Namen auch die Reisepassnummern eingegeben werden; eine Reisepasskopie war zur Hand, die andere Fotokopie in Koffer vergessen, dann war uns das zu doof und wir tippten irgendeine Nummer ein, für die sich niemand interessierte (wozu dann?!), dann wurden unsere Eintrittskarten von zwei unterschiedlichen Männern kontrolliert, von denen der eine sagte: "Ich bin ja auch hier um beim Ticketkauf zu helfen..." (Ja, warum verkaufst du die Tickets dann nicht direkt?!). Und als wir endlich drin, waren wurden wir von einer wandernden Chatgruppe verfolgt, die auf eine Entfernung von mindestens 500 Metern noch zu hören war. Und die Palavergruppe hatte auch noch das gleiche Ziel wie wir! 

Es gelang uns alles zu überwinden, das Ziel zu ändern und nachdem wir Hitze, Moskitos, Dschungel, Büsche, Freiflächen und glühender Sonne getrotzt hatten, war es wie im Film!




Einsamkeit, Ruhe, Dschungel, Felsen, Wasserfall, Bäume, deren Wurzeln im Wasserfall schwebten, klares, blaues, kaltes Wasser, welches unsere heißen Füße angenehm schmeichelte.
Andächtig lauschten wir den Rauschen vom Catarata La Cangreja:


Nach uns kamen immer mehr Menschen... Das frühe Aufstehen hatte sich doch gelohnt, wir hatten den besten Platz und konnten gehen, als es voll wurde. 

Auf dem Rückweg trafen wir noch Panama-Kapuzineraffen und Geoffroy-Klammeraffen. 
Und gewaltige Bäume und Freiflächen:



Weiterfahrt am Montag 

Montag fuhren wir über die Straße 4, dem Nordkorridor, weiter. Was auf den Landkarte dick und leuchtend als die wichtigste Hauptverkehrsachse im Norden gekennzeichnet ist, ist streckenweise Schotterpiste mit Wagenrädern so groß wie Löcher.
In Santa Cecilia und in Upala pausierten wir. Wir waren die einzigen Gringos. Hier war noch sehr wenig international touristisch erschlossen und vieles auch ärmer, aber immer sauber. Neben der offiziellen Flagge Costa Ricas in blau-weiß-rot ist das gelbschimmernde Microfaser-Reinigungstuch die zweite Nationalflagge dieses Landes: Kioske, Restaurants, Busse, Trecker, Toiletten, Tische, Stühle, Fenster... Alles wird regelmäßig gereinigt!

Volcano Lodge 

Am Montag Nachmittag erreichten wir die Volcano Lodge am Vulkan Arenal. Die liegt direkt neben der Lodge, die wir schon am 14. Januar besucht hatten. In heißen Vulkanwasserpool ließen wir es uns gut gehen. Hitze und Wasser gibt es in diesem Vulkan-Bergregenwald genug. Auch genug Geothermie für eine Sauna!






Und einen Motmot gab es auch...



Heute am Dienstag geht es weiter zum Baumhaus in die Maquenque Eco Lodge bei Boca Tapada.

Montag, 26. Januar 2026

Buena Vista del Rincón Lodge - heiße Bäder, coole Drinks und schöne Aussicht

Nach den entbehrungsreichen Tagen in Palo Verde erschien uns die Buena Vista del Rincón Lodge wie ein Fünf-Sterne-Luxushotel. Warmes Wasser! Weiche Betten! So widmeten wir uns ausgiebig der Körperpflege...

Am nächsten Tag genossen wir die heißen Thermalbäder (bis 41°C) inmitten von Regenwald, zu denen man über holprige Wege mit dem Hanomag-Traktor gebracht wurde.


Die Unterkunft heißt vollständig Buena Vista del Rincón Lodge Eco Adventure Park Hotel & Spa, ist eine recht weitläufige Anlage am Rande des Nationalparks Rincón de la Vieja mit genügend Kabinenzimmern für Gruppenreisen, was auch der größte Nachteil ist. Als Individualreisende sind die lärmenden Gruppen, die viel Aufmerksamkeit des ansonsten freundlichen Services beanspruchen, etwas lästig.

Eco bedeutet hier vor allem,  dass es eine große angeschlossene Farm gibt, mit Obst- und Kaffeeplantagen, Gemüsebeeten und allerhand Nutztieren. Darunter auch zahlreiche Pferde, auf denen die Gäste reiten können und die sämtliche Wege der Anlage veräppeln. 

Damit sind wir auch beim Adventure-Part angelangt, der auch ein 420 Meter lange Wasserrutsche und Ziplining/Seilrutschen anbietet. Am letzteren hatte Herbert großen Spaß.



Und Buenavista - schöne Aussicht - hat man von einem der beiden Restaurants bei Sonnenuntergang...







Und auf den Wanderwegen im nahen Regenwald hat man dann auch seine Ruhe. In nur zwei Tagen haben wir über 25 Vogelarten gesehen,  davon 5 zum ersten Mal.


Ani beim Sonnenbad

Die Blauen Elsterhäher kamen zum Frühstück vorbei 

Nachdem wir den Mosquitos in Palo Verde entflohen waren, fielen hier die Kriebelmücken über uns her...

Donnerstag, 22. Januar 2026

Palo Verde - komische Vögel, Moskitos und keine Haken

Nach der Gruppenreise und dem ereignislosen Vorort Santa Ana freuten wir uns auf den Nationalpark Palo Verde. Entspannung, interessante Begegnungen mit Forschenden aus aller Welt in der Station, Natur pur - so der Plan.

Nun, Natur gibt es hier wirklich, einen tollen tropischen Trockenwald nebst großem Feuchtgebiet, ein echtes Birding-Paradies. Allerdings zeigt sich die Natur auch in Gestalt tropischer Hitze (34°C tagsüber und 24°C nachts) sowie diverser blutsaugender Insekten. 

Die Station ist schlecht gealtert, verwohnt, runtergerockt und vernachlässigt: die Moskitonetze über den Stockbetten sind voller Löcher und die Möbel kaputt oder wacklig oder unbequem oder alles drei gleichzeitig. Fast alle Türen quietschen.

Herbert plünderte die leer stehenden Zimmer und organisierte neben einer Schublade mit Boden auch einen Wandhaken für das Handtuch. Kleiderbügel gab es nirgends zu erbeuten. Es gibt neben Wasser ausschließlich Kaffee, Tee oder gesüßten Saft, keinen Alkohol!, und am Montag fehlte morgens sogar der Kaffee! Immerhin brachte der Truck am Nachmittag frische Ware, was uns immerhin frisches Obst statt Wackelpudding zum Nachtisch bescherte. Man lernt hier die kleinen Dinge zu schätzen...

Die einzige Wissenschaftlerin, die es hier aushält, ist Anne-Elizabeth, die uns jeden Abend mit Neuigkeiten aus dem Liebesleben ihrer Forschungsobjekte, des Schwarzen Leguans, unterhält. Wir sind Ctenosaurus-Fans!

Außer Annes Humor hilft uns die wirklich großartige Natur, dieses Ritz-Carlton der Unbequemlichkeit zu ertragen.

In Palo Verde haben wir unser Affenquartett vervollständigt und alle vier Spezies von Costa Rica gesichtet! 🏆

🐵Mantelbrüllaffe

🙈Panama-Kapuzineraffe

🙉Rotrücken-Totenkopfaffe

🙊Geoffroy-Klammeraffe

Kapuzineraffe



Mantelbrüllaffe




Zu unserer Vögelliste sind mindestens 70 Spezies dazugekommen. Darunter Riesen wie der Jabiru und der Woodstork oder auch Halblinge wie die Inca-Taube und Zwerge wie der Zimtkolibri.

Unterhaltsame Beobachtungen konnten wir vom Steg im Feuchtgebiet machen: pfeifende Enten, krakelende Jacaras, stochernde Limpkins und zankende Purpurhühner sorgten für Familienidylle, Action und Drama.

Purpurhuhn (rot-blau) & Jacana (braun-gelb)

Pfeifente (man hört sie noch noch hundert m entfernt) 

Viele Vögel haben, wenn man den englischen Bezeichnungen glauben darf, orthopädische Beschwerden. Der Triel hat dicke Knie (Thick-knee), andere hinken (Limpkin). Inka- Tauben und Ziegenmelker sitzen auf den Wegen und werden nur deshalb nicht überfahren, weil man wegen der Schlaglöcher nur Schrittgeschwindigkeit fährt. Und die Weihen fressen Schnecken (Snail-Kite).


Thick-knee (Südamerikanische
 Triele)

Rallenkranich (Limpkin)

Der Steg ist das tägliche Ziel, hier gibt es immer was zu sehen. Aufgänge, Abgänge, Untergänge und Regenbogen.




Und natürlich mehr Vögel!

Grüner Kranich

Sichler mit Pfeifenten

Silberreiher, Muskat- und Pfeifenten

Amazonasfischer

Auf diversen Wanderwegen erkundeten wir schwitzend und von Moskitos bedrängt die Umgebung. Wir versuchen die meisten Aktivitäten vor und unmittelbar nach das Frühstück (7 Uhr) zu legen. Mittags ist dringend Siesta angesagt (wobei das bei einem zu kleinen und zu lauten Ventilator auch eine Zumutung ist). Gegen 15/16 Uhr bei starkem Wind lässt sich vielleicht noch ein Spaziergang einschieben. 17:30 Uhr geht die Sonne unter und damit ist's stockfinster.

Annes liebestolle Echsen kreuzen ständig unsere Wege, drohen uns und sich gegenseitig und bandeln an:




Der Schwarze Leguan ist übrigens grau/rot (weiblich) oder türkis/blau ( Männchen zur Paarungszeit). Und das Männchen des Grünen Leguans orange...

Stolz sind wir, dass wir den Black-headed Trogon inzwischen fünf Mal gesichtet haben. Der ist gar nicht so scheu, wie gedacht. Noch stolzer sind wir, dass wir inzwischen fünf Flycatcher Spezies (die alle gleich aussehen) anhand von Gesang oder Scheitel oder geschlossenen Nackenband auf Anhieb voneinander unterscheiden können: Great Kiskadee, Tropical Kingbird, Great Crested Flycatcher, Brown Crested Flycatcher und Social Flycatcher.

Die Gelbnacken-Amazone können wir nun auch sicher am Gequäke erkennen (während die Weißstirn-Amazone mehr schreit und der Rote Ara eher krächzt):

Gelbnacken-Amazone 

Wir erklommen auch einen Mirador mit großartiger Aussicht.





Doch auch in unserer Forschungsstation drang die Natur regelmäßig ein. Der Speisesaal wird von Kakerlaken, Taranteln, Skorpionen oder Gottesanbeterinnen aufgesucht.




Sicherheitshinweis: Immer die Schuhe ausschütteln!

Und in unserem Zimmer hat eine Ratte unsere Kekse gefressen!


Die Ratte um vier Uhr morgens mit einem Stock aus dem Zimmer zu jagen missglückte. Sie wurde mit der Technik "Handtuch überwerfen und zupacken" hinter der Kloschüssel dingfest gemacht und in wahrsten Sinne des Wortes zur Tür hinausgeworfen. Und den angebissenen Keks hinterher!

Eine Übersicht zu "Alles ohne Federn" gibt es oben rechts zu sehen, gleich unter der "Vögelliste".

Am letzten Tag gab es dann noch eine schöne Bootstour. Und da alles irgendwie nicht funktionierte und zu spät war und am Ende dann doch irgendwie auch schön, fühlten wir uns zum ersten Mal so richtig in Lateinamerika! 

Palo Verde, Mittwoch 21. Januar, 19:37 Uhr.



Samstag, 17. Januar 2026

San José 2 und die Reise durch den Norden

Wir blieben im Hotel, nutzten das Laufband und den Pool, machten einen Spaziergang und haben geschlafen.

Nach 14 Tagen "8 Uhr morgens im Bus" war Frühstück um 9:30 Uhr sehr erholsam.

Im Vorort Santa Ana gibt es eine Tankstelle, eine handvoll Restaurants, drei winzige Einkaufszentren und das Studio Hotel mit der zweitgrößten Kunstsammlung von Costa Rica.

Am Samstag starteten wir unsere Reise durch den Norden.



Wir werden der blauen Route folgen. Teilweise werden wir gebracht, teilweise werden wir im Mietwagen selbst fahren.

Im Nationalpark Palo Verde werden wir sechs Nächte bleiben; bis Freitag, 23. Januar 2026.