Samstag, 7. Februar 2026

Tortuguero ohne Schildkröten

Man darf sich den Ecotourismo in Costa Rica nicht zu idyllisch vorstellen. Und während einige Nationalparks sich vor allzuvielen Besuchern mit Bürokratie und komischen Öffnungszeiten schützen (s. NP Rincon de la Vieja), sind andere - naja, nennen wir es mal "gut erschlossen". 

Dazu gehört auch der Nationalpark Tortuguero an der nördlichen Karibikküste. Er schützt vor allem die Eiablagestrände von Meeresschildkröten. Die sind zwar gerade nicht da, aber man kann die verzweigte Flusslandschaft um das Delta des Tortuguero per Boot erkunden. Das tut man von einer der zahlreichen Lodges am Rande des Nationalparks. Wir sind in der  Laguna Lodge, zusammen mit zahlreichen gruppenreisenden Greisen. Sie bietet Platz für ca. 200 Gäste und man möchte sie wirklich nicht ausgebucht erleben.

Wir trafen uns um 5 Uhr morgens an der Kaffee-Theke (und erst 10 min später gab es dann den versprochenen Kaffee) und starteten zur Awakening oder Sunrise oder so -Tour.

Die war echt schön, nur 2 Boote unterwegs und die nur halb besetzt. Sonnenaufgang war nicht wegen Wetter, es wurde einfach irgendwie hell. Aber einige Kingfischer (die Eisvögel sind fast hier so groß wie Elstern), viele Tiger-Reiher und schöne Flusslandschaft waren ein guter Ersatz.

Nach dem Frühstück war dann allgemeines Naturerlebnis angesagt. Allein von unserer Lodge starteten acht Boote mit je 16 Passagieren, auch aus allen anderen Lodges schwärmten die Boote aus, um den Gringos Natur zu bieten. 

Affen und Kaimane sind natürlich Highlights und nicht zu verfehlen, denn wo ein Boot hält, sind die anderen nicht weit und man stellt (legt? wie sagt man bei Booten?) sich brav an, manövriert geschickt, bis alle Fotos machen können. 

Dabei stellt sich etwas ein, was ich den Manuel-Antonio-Effekt nenne. Wie in diesem Nationalpark führt der Massentourismus zu einem ambivalenten Ergebnis. Zum Einen kommt man sich vor wie in einem Freiluftzoo und ist von den Massen genervt, zum anderen ist die Landschaft seltsam unbeeindruckt schön und die Tiere so  an Besucher gewöhnt, dass man ihnen sehr nahe kommt. Wann kann man einen Anhinga (Schlangenhalsvogel) beim Fischen und beim Trocknen des Gefieders so nahe kommen?!

Drei Boote 

Vier Boote 

Boot mit Anhinga/Schlangenhalsvogel 

Andererseits sieht man auch weniger und häufigere Arten und der Bootsverkehr verstärkt die Erosion der Ufer.

Nichtsdestotrotz, ergaben sich auch idyllische Bilder während der Fahrt:


Und noch ein Effekt war spürbar. Nach 5 Wochen in Costa Rica mit unglaublichen Naturerlebnissen wird man etwas verwöhnt, der Birdwatcher findet weniger neue Arten, der Tourist ist vom Wetter genervt, der Mensch ist erschöpft von vielen Eindrücken. Und man stellt fest: Reisen ist etwas anderes als Urlaub.

Entspannung fand sich am karibischen Strand, da war Ruhe und Einsamkeit:



Ein totes Schildkröten-Ei

Der Weg zu Tortuguero Pueblo.

Dennoch ist festzuhalten, dass der Nationalpark Tortuguero für Neuankömmlinge ein großes Ereignis ist. Innerhalb von 48 Stunden hatten wir rund 40 Wiederholungssichtungen an Vogelspezies. Dazu Faultiere, Klammeraffen, Brüllaffen, Kaimane, Bunthörnchen, Schmetterlinge, riesige Spinnen, Reptilien und Moskitos.

Nach dem stressigen Bootstouren fanden wir Zeit und Muße um mit dem Zeiss Spektiv detaillierte Vogel-Fotos zu schießen. 

Kormoran sitzend und zwei Rabengeier fliegend 

Yellow-crowned Night-Heron 

Great Kiskadee 

Grüner Leguan, Männchen in Pracht-Orange

Common Black Hawk

Lineated Woodpecker 

Montezuma oropendola (Psarocolius montezuma)

Montezuma oropendola (Psarocolius montezuma)

Und in diesem Video ist zu sehen, wie der Oropendula (der Goldpendel) zu seinem Namen kam. In der Balz lässt er seinen goldenen Körper pendeln:

Und hier arbeitet der Lineated Woodpecker:


Am Freitag und Samstag regnete es mehrere Stunden am Stück. Glück im Unglück: Wir fanden immer ein Dach. Dennoch ist alles feucht und klamm, Papier wellt sich, Chips werden pappig. "There's no word for crispy on Ferenginar." (Quark, Bartender, DS9 S3E23)


Costa Rica, 7. Februar, ca. 10:50 Uhr

Donnerstag, 5. Februar 2026

Fledermäuse in Tirimbina

Die Tirimbina Lodge und das Refugio de Vida Silvestre La Tirimbina arbeiten zusammen um die Fledermausforschung voranzubringen und die Vorurteile gegenüber Fledermäusen abzubauen.

Nach einer informativen und dynamischen Präsentation (der Fledermaus-Freak hat als Nicht-Pädagoge wirklich gute Arbeit gemacht) durften wir den Fledermausforscher Manuel kennenlernen. Er ist in Tirimbina der führende Fledermausexperte und hat extra für uns ein paar Fledermäuse gefangen. Aufgrund der Präsentation waren wir auch in der Lage zu erkennen, wovon sich die kleinen süßen Tiere ernähren 🦇❤️ 

Spitze Nase = Blütennektar 


Breite Nase = Insektenfresser 


Leaf-Nose = Fruchtesser 


Dienstag, 3. Februar 2026

La Selva und Tirimbina in Sarapiqui

Besuch in der Station La Selva - Forschungseinrichtung und Schutzgebiet im karibischen Tiefland-Regenwald (nachdem wir um 4 Uhr morgens vom prasselndem Regen auf unserem Dach geweckt wurden).

Im Gegensatz zur heruntergekommenen Station Palo Verde hat die Organisation for Tropical Studies (OTS, span. OET) hier mal richtig investiert. Dank US Aid (RIP ⚰). Neues, schickes Empfangsgebäude, Solaranlagen - es soll in den Unterkünften sogar warmes Wasser geben. 

Wir waren für zwei je dreistündige Touren gekommen und wurden weder von der Natur, noch den Guides enttäuscht. Morgens ging es mit nur zwei anderen Gästen durch Garten, Anlage und Sekundärwald, um vor allem nach Vögeln Ausschau zu halten.


Tausendfüßer sorgen für Nachwuchs

Boat-billed Flycatcher

Weißstirntrappist (White-fronted Nunbird)

Weißstirn-Faulvogel (White-necked Puffbird)

Mehr in der Vögelliste (rechts oben), alle Aufnahmen per Phone durchs Spektiv.

Nachmittags liefen wir durch schönen Primärwald und ein Arboretum, das aber dank des üppigen Wachstums der Epiphyten wie eine Mischung aus Park und Dschungel anmutete. Erst am Ende des Nachmittages regnete es wieder. 




Die Straßen der Blattschneiderameisen waren perfekt in Schuss! (Im Gegensatz zu den Autostraßen...)




Links Soldatin, rechts Arbeiterin 

Am nächsten Tag ging es über eine 260m lange Hängebrücke ins Reservat unserer Lodge Tirimbina. 


Beeindruckende Bäume, zwei neue Trogon-Arten und viele kleine Entdeckungen bescherten uns einen schönen Vormittag. Zur Mittagszeit regnete es wieder. 


Froschlaich - wenn die Kaulquappen schlüpfen,  fallen sie in den kleinen Teich darunter.

Sogar der Regen pausierte mal ein paar Stunden. Nach dem Abendessen gibt es noch eine Fledermaus-Tour. Morgen früh geben wir unseren Mietwagen ab und werden zu unserem letzten Ziel in Costa Rica gebracht, dem Nationalpark Tortuguero.

Sonntag, 1. Februar 2026

202

Heute haben wir die 200er Marke geknackt:

202 Spezies in Costa Rica sicher angesprochen!

(zzgl. Verdachtsfälle!)