Donnerstag, 19. Februar 2026

Curaçao - Karneval und fehlende Professionalität

In Costa Rica hatten wir gelernt, dass trotz oder wegen "Pura Vida" der Laden läuft.

In Curaçao lernten wir, dass "Poco Poco, Dushi - gemach gemach, Liebling" der Laden willkürlich ohne Ankündigung öffnet oder schließt oder Ankündigungen vom letzten Jahr ohne Aktualisierung der Daten wiederholt werden oder der Koch unangekündigt deine Hähnchen-Vorspeise in eine Gemüse-Vorspeise ändert, weil Hähnchen gerade aus ist oder die Reparatur der Klimaanlage im Museum offensichtlich länger dauern wird und die mehrere hundert Jahre alten Benin-Bronzen währenddessen bei offenen Türen einstauben und korrodieren.

Museum Kura Hulanda

Wer lernt, das, und weiteres, hinzunehmen, kann in Willemstad mehrere Karnevalsparaden ansehen. Am Sonntag besuchten wir den Gran Marcha, am Montag Nachmittag die Abschiedsparade der Kinder und am Dienstagabend die große Abschiedsparade der Erwachsenen. Hierbei war festzustellen, dass die Bars mit dem Verkauf von Getränken überfordert waren, da es offensichtlich nur einen einzigen Menschen gab, der das Kartenlesegerät bedienen konnte.

Dushi - Abenteuer

Wie man sich Indianer-Abenteuer so vorstellt.

Weitere abenteuerlustige Indianer.

Noch mehr Indianer 



Curoil ging das Licht aus

Die Königin!



Wenn die offiziellen Websites mit ihren Ankündigungen aktuell und detaillierter gewesen, hätten wir einige Aktivitäten anders geplant. So erlebten wir mehrere Stunden in einem nahezu ausgestorbenen Willemstad, weil wegen Karneval alles anders ist und zu anderen Uhrzeiten öffnet oder schließt. Das alles ohne Zettel an der Tür, der Laden ist einfach zu. Restaurants ebenfalls. Poco Poco, Dushi. Das weiß man doch, wenn man hier wohnt.

Dennoch gelang es uns Willemstad zu verlassen, um die Salinas und die Flamingos zu besuchen. Zu unserer Überraschung entdeckten wir sogar den Reddish Egret!

Feuchte Salina mit Flamingos.

Trocken gefallene Salina (in der Regenzeit natürlich nass).

Am Aschermittwoch besuchten wir den Christoffel Park, benannt nach der höchsten Erhebung der Insel, Mount Christoffel (immerhin 375m). Wir nahmen den White-tailed deer-pfad, sahen aber nur kurz ein weißes Hinterteil der Hirsche.

Es ging durch mal lichten, mal dichten Trockenwald, dann durch dichte Küstenvegetation mit niedrigen Dornsträuchern, bis hin zu den Resten eines verwandelten Meeresarms, auf dem jetzt in der Trockenzeit salzliebende kleine Pflanzen der Hitze trotzen. In der Regenzeit bildet sich hier ein Salzsee, der zahlreiche Vögel, v.a. Flamingos anzieht.

 Eine Kaktus-Allee...

Blick zum Mt. Christoffel (rechts)

Riesige Säulenkakteen, hier mit Caracara-Falke



In dieser malerischen Bucht sichteten wir zwei Austernfischer


Die Salzpfanne

Nach langer Wanderung saßen wir dann unter einer Schirmakazie neben dem Parkplatz und plötzlich waren alle Vögel, die wir unterwegs gesucht hatten, da: der Rotkragenspatz, den wir aus den Bergen Costa Ricas kannten, der orange-schwarze Tourpial, die singenden Mockingbirds, der allgegenwärtige Bananaquit und Erdtäubchen...

Tropischer Mockingbird

Bananaquit

Nach der Wanderung hofften wir im Restaurant des Besucherzentrums essen zu können: das Restaurant war geschlossen.

Auf dem Rückweg suchten wir ein Restaurant und fuhren zu einem Strand. Der Standkiosk "Foods & Drinks" hatte nur "only drinks". Und zufällig fanden wir weitere kleine Naturschätze:

Pelikan mit Wasserschildkröte

Meeresschildkröte (Kadettschildkröte)


Sammelpunkt von Pelikanen und Wasserschildkröten: Der Ort wo Fischabfälle anfallen.

Warten auf Aas

Bare-eyed Pigeon (Patagioenas corensis)

Nach zwei überfüllten Restaurants fanden wir in einer kleinen Lagune ein drittes Restaurant, welches zugleich von etlichen Leguanen bewohnt war. Während das Restaurant eine mysteriöse und unverständliche "Food in - Food out" Küchen-Policy fuhr und unsere Bestellung erst nach einer halben Stunde Wartezeit entgegen nahm, wurden die Leguane fast ununterbrochen von Kindern mit Apfelstückchen gefüttert.

Grüner Leguan (Iguana iguana)

Unsere Unterkunft sehr schön. Das Zimmer ist groß, der Pool für einen Innenhof angemessen und es gibt eine Kaffeemaschine und kostenlosen Kaffee auf dem Zimmer.

Bett mit meiner Lieblingskatze!

Unser Terrässchen mit Mangobaum


Besonders hervorzuheben ist die schöne rote Katze, die uns jedesmal aufsucht, wenn wir zurückkehren. Sie hat viel Geduld, lässt sich füttern, streicheln, schrubben, tätscheln und schlagen. Erst wenn sie geschlagen wird, schnurrt sie.



Curaçao, Donnerstag, 19. Februar 2026, 7 Uhr

Montag, 16. Februar 2026

Curaçao - Dushi

Dushi - ein vielfach verwendbares Wort für engstehende Lieblinge, Fremde, die herzlich Willkommen geheißen werden, und die schönen Seiten des Lebens.

Dushi - Schön - nun...

Aruba hat sich sehr viel Mühe gegeben auf den ersten Blick für alle Touristen schön (und teuer!) zu sein: ganze Straßenzüge wurden schönsaniert (in den Nebenstraßen war es dann aber auch schäbig). Curaçao ist da ehrlicher: Einzelne Gebäude und die Einkaufszentren sind touristisch hergerichtet. Dazwischen stehen verfallene Gebäude aus der Zeit des Sklavenhandels, verfallene Ex-Bankgebäude (seit Assoziation mit der EU ist hier die Geldwäsche offiziell verboten), verfallene Einzelhandelsgeschäfte, die wahrscheinlich von der COVID-19 Pandemie hingerafft wurden und im Hintergrund eine größtenteils stillgelegte Ölraffinerie, weil seit vielen Jahren das venezolanische Rohöl sanktioniert wird/wurde.

Curaçao war schon immer ein Freihafen und daher schon immer interessant für alle, die kontrollfrei Waren loswerden wollen. Hier wurden Waren und Sklaven umgeschlagen. Dies kann erklären, weshalb die Festungen, die die Hafeneinfahrt schützen, vergleichsweise klein wirken (im Vergleich zur gigantischen Festung von Cartagena de Indías in Kolumbien): Freibeuter und Piraten nutzten den Freihafen, um Waren zu verkaufen und die Spanische Kolonial-Konkurrenz hatte genug damit zu tun, dem Festland das Gold auszupressen.

Heute werden statt Zucker und Sklaven dort zollfrei Schmuck und Uhren verkauft. 

Rund um die Hafeneinfahrt tummeln sich daher viele schöne alte Kontorhäuser und alte Lagerhäuser im holländischen Stil in allen möglichen Farben des Regenbogens, bei Tag und bei Nacht! 






Pride 2025🏳️‍🌈

Und die Festung Backbord (beim Einlaufen in den Hafen links) ist zur Mall umgebaut:

Und die Festung Steuerbord (beim Einlaufen rechts) wurde von jemandem mit Beton überbaut und der war dann irgendwann pleite:

Poco poco - gemach, gemach.

Wir dachten ja, in der Karnevalswoche wären hier ununterbrochen alle betrunken. Dem ist erstaunlicherweise nicht so. Der Karneval ist tatsächlich ein Karneval der Paraden: die Pferdeparade, die Kinderparade, die Teenagerparade, die Bandabou-Parade, die große Gran Marcha Parade, die Teenager-Abschiedsparade und die große Abschiedsparade. Der Großteil der Insel läuft auf der Parade mit und der kleine Rest sieht zu und futtert. Die essen schier ununterbrochen beim Gucken. Und die drei Geschäfte, die am Straßenrand Bier verkaufen... Poco Poco... Legen eine in-sich-ruhende Geschäftsuntüchtigkeit an den Tag...

Poco Poco, dushi.

Gran Marcha 

Noch hat der Ölkonzern Sponsorengelder übrig...













Und wir haben eine ganz liebe tagtäglich wiederkehrende Gästin in unserer Unterkunft, die sich regelmäßig Streicheleinheiten und Futter abholt:




Politisches ABC

Dank Wikipedia kann man verstehen, dass Curaçao ein Land mit niederländischem Königshaus ist, aber ohne EU-Mitgliedschaft (jedoch mit EU-Assoziation).

Quelle: Wikipedia "Königreich der Niederlande"

Curaçao, Willemstad, Montag, 16. Februar, kurz vor zehn.