Donnerstag, 22. Januar 2026

Palo Verde - komische Vögel, Moskitos und keine Haken

Nach der Gruppenreise und dem ereignislosen Vorort Santa Ana freuten wir uns auf den Nationalpark Palo Verde. Entspannung, interessante Begegnungen mit Forschenden aus aller Welt in der Station, Natur pur - so der Plan.

Nun, Natur gibt es hier wirklich, einen tollen tropischen Trockenwald nebst großem Feuchtgebiet, ein echtes Birding-Paradies. Allerdings zeigt sich die Natur auch in Gestalt tropischer Hitze (34°C tagsüber und 24°C nachts) sowie diverser blutsaugender Insekten. 

Die Station ist schlecht gealtert, verwohnt, runtergerockt und vernachlässigt: die Moskitonetze über den Stockbetten sind voller Löcher und die Möbel kaputt oder wacklig oder unbequem oder alles drei gleichzeitig. Fast alle Türen quietschen.

Herbert plünderte die leer stehenden Zimmer und organisierte neben einer Schublade mit Boden auch einen Wandhaken für das Handtuch. Kleiderbügel gab es nirgends zu erbeuten. Es gibt neben Wasser ausschließlich Kaffee, Tee oder gesüßten Saft, keinen Alkohol!, und am Montag fehlte morgens sogar der Kaffee! Immerhin brachte der Truck am Nachmittag frische Ware, was uns immerhin frisches Obst statt Wackelpudding zum Nachtisch bescherte. Man lernt hier die kleinen Dinge zu schätzen...

Die einzige Wissenschaftlerin, die es hier aushält, ist Anne-Elizabeth, die uns jeden Abend mit Neuigkeiten aus dem Liebesleben ihrer Forschungsobjekte, des Schwarzen Leguans, unterhält. Wir sind Ctenosaurus-Fans!

Außer Annes Humor hilft uns die wirklich großartige Natur, dieses Ritz-Carlton der Unbequemlichkeit zu ertragen.

In Palo Verde haben wir unser Affenquartett vervollständigt und alle vier Spezies von Costa Rica gesichtet! 🏆

🐵Mantelbrüllaffe

🙈Panama-Kapuzineraffe

🙉Rotrücken-Totenkopfaffe

🙊Geoffroy-Klammeraffe

Kapuzineraffe



Mantelbrüllaffe




Zu unserer Vögelliste sind mindestens 70 Spezies dazugekommen. Darunter Riesen wie der Jabiru und der Woodstork oder auch Halblinge wie die Inca-Taube und Zwerge wie der Zimtkolibri.

Unterhaltsame Beobachtungen konnten wir vom Steg im Feuchtgebiet machen: pfeifende Enten, krakelende Jacaras, stochernde Limpkins und zankende Purpurhühner sorgten für Familienidylle, Action und Drama.

Purpurhuhn (rot-blau) & Jacana (braun-gelb)

Pfeifente (man hört sie noch noch hundert m entfernt) 

Viele Vögel haben, wenn man den englischen Bezeichnungen glauben darf, orthopädische Beschwerden. Der Triel hat dicke Knie (Thick-knee), andere hinken (Limpkin). Inka- Tauben und Ziegenmelker sitzen auf den Wegen und werden nur deshalb nicht überfahren, weil man wegen der Schlaglöcher nur Schrittgeschwindigkeit fährt. Und die Weihen fressen Schnecken (Snail-Kite).


Thick-knee (Südamerikanische
 Triele)

Rallenkranich (Limpkin)

Der Steg ist das tägliche Ziel, hier gibt es immer was zu sehen. Aufgänge, Abgänge, Untergänge und Regenbogen.




Und natürlich mehr Vögel!

Grüner Kranich

Sichler mit Pfeifenten

Silberreiher, Muskat- und Pfeifenten

Amazonasfischer

Auf diversen Wanderwegen erkundeten wir schwitzend und von Moskitos bedrängt die Umgebung. Wir versuchen die meisten Aktivitäten vor und unmittelbar nach das Frühstück (7 Uhr) zu legen. Mittags ist dringend Siesta angesagt (wobei das bei einem zu kleinen und zu lauten Ventilator auch eine Zumutung ist). Gegen 15/16 Uhr bei starkem Wind lässt sich vielleicht noch ein Spaziergang einschieben. 17:30 Uhr geht die Sonne unter und damit ist's stockfinster.

Annes liebestolle Echsen kreuzen ständig unsere Wege, drohen uns und sich gegenseitig und bandeln an:




Der Schwarze Leguan ist übrigens grau/rot (weiblich) oder türkis/blau ( Männchen zur Paarungszeit). Und das Männchen des Grünen Leguans orange...

Stolz sind wir, dass wir den Black-headed Trogon inzwischen fünf Mal gesichtet haben. Der ist gar nicht so scheu, wie gedacht. Noch stolzer sind wir, dass wir inzwischen fünf Flycatcher Spezies (die alle gleich aussehen) anhand von Gesang oder Scheitel oder geschlossenen Nackenband auf Anhieb voneinander unterscheiden können: Great Kiskadee, Tropical Kingbird, Great Crested Flycatcher, Brown Crested Flycatcher und Social Flycatcher.

Die Gelbnacken-Amazone können wir nun auch sicher am Gequäke erkennen (während die Weißstirn-Amazone mehr schreit und der Rote Ara eher krächzt):

Gelbnacken-Amazone 

Wir erklommen auch einen Mirador mit großartiger Aussicht.





Doch auch in unserer Forschungsstation drang die Natur regelmäßig ein. Der Speisesaal wird von Kakerlaken, Taranteln, Skorpionen oder Gottesanbeterinnen aufgesucht.




Sicherheitshinweis: Immer die Schuhe ausschütteln!

Und in unserem Zimmer hat eine Ratte unsere Kekse gefressen!


Die Ratte um vier Uhr morgens mit einem Stock aus dem Zimmer zu jagen missglückte. Sie wurde mit der Technik "Handtuch überwerfen und zupacken" hinter der Kloschüssel dingfest gemacht und in wahrsten Sinne des Wortes zur Tür hinausgeworfen. Und den angebissenen Keks hinterher!

Eine Übersicht zu "Alles ohne Federn" gibt es oben rechts zu sehen, gleich unter der "Vögelliste".

Am letzten Tag gab es dann noch eine schöne Bootstour. Und da alles irgendwie nicht funktionierte und zu spät war und am Ende dann doch irgendwie auch schön, fühlten wir uns zum ersten Mal so richtig in Lateinamerika! 

Palo Verde, Mittwoch 21. Januar, 19:37 Uhr.



Samstag, 17. Januar 2026

San José 2 und die Reise durch den Norden

Wir blieben im Hotel, nutzten das Laufband und den Pool, machten einen Spaziergang und haben geschlafen.

Nach 14 Tagen "8 Uhr morgens im Bus" war Frühstück um 9:30 Uhr sehr erholsam.

Im Vorort Santa Ana gibt es eine Tankstelle, eine handvoll Restaurants, drei winzige Einkaufszentren und das Studio Hotel mit der zweitgrößten Kunstsammlung von Costa Rica.

Am Samstag starteten wir unsere Reise durch den Norden.



Wir werden der blauen Route folgen. Teilweise werden wir gebracht, teilweise werden wir im Mietwagen selbst fahren.

Im Nationalpark Palo Verde werden wir sechs Nächte bleiben; bis Freitag, 23. Januar 2026.

Ochsentour. Zum letzten Mal.

Der letzte Tag unserer Rundreise führte uns nach Sarchi.

Dort steht der größte Ochsenkarren der Welt. Der Ort lebt vom Bau der Ochsenkarren, die wohl noch immer gekauft werden, und anderen Holzarbeiten.

In der Ochsenkarrenfabrik laufen bis heute von einem Wasserrad getriebene Sägen und Maschinen deutscher Herkunft.

Karren und andere Holzarbeiten werden von Hand mit traditionellen Motiven bemalt (ohne Vorlage!).







Man bemalt auch gern Wände...




Die Tukane, den Quetzal, roten Ara - alle gesehen!

😎

Über 1.300 Kilometer:

Die Gruppenreise endete in San José. Wir haben knapp 2 Tage im Hotel ohne Programm. Fühlt sich an wie Wochenende nach einer Klassenfahrt...

San José, 16. Januar, 20:37 Uhr

Aufguss, Ausbruch, Ausblick!

Am Mittwoch besuchten wir eine ökologisch arbeitende Kaffeefarm und erfuhren einiges über Mischkulturen, Kaffeeanbau und den Schwierigkeiten der Vermarktung.

Don Alonso erklärte und zeigte uns einiges...

Kaffeepflanzen werden mit 8Monaten (rechts) gepflanzt und tragen nach 3 Jahren.
Dann werden die Beeren von Hand gepflückt...

...geschält, getrocknet und verpackt. 
Geröstet wird nur für den Eigenbedarf und wenn man Touristen bewirtet.
Frisch zubereitet und geschmackvoll serviert!

Es gab auch noch Kakao...



...und Yams

sowie Anis.

Danach ging es zum Vulkan Arenal. Dessen letzter Ausbruch 1968 kostete 95 Menschen das Leben. Zuletzt war er 2010 aktiv. Heute war er aber ruhig und zugängig und besucherfreundlich.



Ausblick mit Nasenbär

Peter mit Nasenbär

Vulkan mit Wolken

Gebüsch mit Schlange

Im Hotel mussten wir uns stärken und hatten danach die Thermalpools für uns!





Die Reiher schliefen schon, aber am nächsten Tag sahen wir jede Menge spannender Vögel! Siehe Vögelliste oben rechts!


Am nächsten Morgen besuchten wir die Malekus und erfuhren einiges über deren indigene Kultur. Zum Abschluss gab es ein tolles Mittagessen mit leckerem Fisch in Maispanade. Essen mit Ausblick!