Acht Lektionen:
1. Entspann dich. Hier sind alle entspannt, freundlich, hilfsbereit. Sogar Grenzbeamte lächeln. Und die Kellnerin summt ein fröhliches Lied, während sie die Weinflasche nicht aufbekommt.
2. Irgendwas ist immer. Irgendwas fehlt immer. Aber irgendwie klappt es dann doch. Auch drei Angestellte für zwei Tische garantieren nicht, dass nix fehlt. Ist auch egal. Und zu heiß.
3. Keine Paranoia. Es ist hier nicht sicherer oder unsicherer als an anderen Orten mit vielen Touristen. Und die Polizeipräsens dürfte selbst Bayern beeindrucken.
4. In der Stadt will dir jeder was verkaufen. Alle zwei Minuten wird man angesprochen. Kellner preisen ihr Restaurant, Straßenhändler verhökern Schmuck, Hüte oder Getränke. Das ist oft ziemlich anstrengend. Aber dies ist ein armes Land und du bist im Vergleich reich. Und die Verkäufer verwickeln dich auch gern in ein nicht unangenehmes Gespräch über dein Land, geben Tips und man lernt ein paar neue Brocken Spanisch.
Ein sympathischer junger Mann zeigte uns im Park von Cartagena Leguane und Faultiere in den Bäumen, bevor er uns Drogen anbot.
5. Das gilt nicht auf dem Land. Dort steht ein Bretterverschlag rum, manchmal mit einer Vitrine voller ungeordnetem Zeug, von dem man nie weiß, ob das für den Verkauf oder Recycling gedacht ist. Auf jeden Fall kein Verkäufer. Man muss erst "tienda" brüllen, dann erscheint ein Sechsjähriger mit einer Gürteltasche voller Wechselgeld.
6. Wenn der Guide auf einer Wandertour bei brütender Hitze und 40% Steigung sagt, es seien noch 20 min, dann ist das keine Zeitangabe, sondern eine Durchhalteparole.
7. Kolumbianer können nicht schwimmen. Schwimmen bedeutet hier, im hüfthohen Wasser zu stehen. Frauen halten sich dabei noch am Arm des Gatten fest. Um sich vor den eisigen Temperaturen des karibischen Meeres (28Grad) zu schützen, trägt man ein Trikot seiner Lieblingsmannschaft, Gummischuhe und eine Schwimmbrille. Am Strand reicht ein 40x60 cm Seidentuch zum Sitzen, dann trägt man eine zentimeterdicke Schicht Sonnenschutz auf. Da wird jedes Seepferdchen zum Rettungsschwimmer!
8. Die Kolumbianer sind die freundlichsten und hilfsbereitesten und warmherzigsten Menschen, die man sich vorstellen kann. Der Service ist chaotisch, Informationen werden verschlampt, nix funktioniert und alles ist laut. Aber man muss sie gern haben. Siehe Lektion 1.
Bogotá, Freitag, 28. Dezember, ca. 16 Uhr