Sonntag, 21. Juni 2026

Essen wie Gott in...Dijon

Burgund gilt als Wiege der französischen Küche. Man denkt natürlich an Schnecken und Senf, an Bœuf Bourguignon und dem dazu gehörenden Rotwein.

Doch wie sich die Stadt modernisiert hat (ich bin heute für 1,70€/std in einer klimatisierten, leisen, sauberen Tram im 5-Minutentakt gefahren), so wird auch hier die Tradition gewahrt, indem man sie modernisiert. 

Das besorgen hier Leute, die entweder jung sind oder aus Japan stammen. Die französische und japanische Kochkultur verbindet ja ein Hang zu perfektionistischer Detailbesessenheit. 

Im recht unscheinbaren Restaurant "So" kocht der Chef und seine Frau bedient. Keine Angestellten. Und auch die französische Küche kommt geradezu auf das Wesentliche reduziert und zugleich präzise auf den Punkt gebracht daher. Es schmeckte so leicht und frisch und aromatisch zugleich und nie überladen! 

Erbsen-Velouté mit Mousse von geräucherter Paprika 

Seehecht auf Zucchini-Tomate

Frischkäse-Mousse mit Aprikose-Rosmarin

Ebenso unauffällig und ein bisschen abseits liegt das Bistro L'Essentiel. Hier sind es zwei junge Köche, die die Klassiker entstauben. Auch hier schmeckte alles so leicht, obwohl ich nach zwei Gängen gut gesättigt war. Besonders die Kartoffel-Emulsion mit gerösteten Haselnüssen war der Hammer! 

Forellenmousse auf Porree

Geflügel-Confit auf Kartoffel-Emulsion 

Auch im DZ'envie neben der Markthalle arbeitet niemand unter 30. Dort wählte ich dann das Klassiker-Menu:

Jambon persillé 

Bœuf Bourguignon 

Crème brûlée 


Und auch das musste einmal sein. In der netten Weinbar Caveau de la Chouette, indem der Barkeeper Iro und lackierte Fingernägel trug (in Aubergine, nicht schwarz!).

Heute ging es dann vormittags in die Markthalle. Ich hatte wie immer auf das Frühstück verzichtet, um die günstigen Mittagsmenus zu genießen ( im großartigen So z.B. 3 Gänge für 24€!?). Diesmal wurde es ein Picknick im Garten des Hôtel de Vogüe. Auf den Wein konnte ich bei 38°C verzichten.

Gefüllte Schweineohren!


Zum Dessert gab es Cassis-Sorbet im hübschen Café Milliere. 


Dann ging es in die Cité de la Gastronomie et du vin. Ein moderner Komplex mit Wein- und Gastro-Museum sowie einem Foodmarket. 

Der futuristische Bau wirkte nach meinem Kurzbesuch im ehemaligen Benediktiner-Kloster gleich noch spaciger.


Auf Museen hatte ich keine Lust, auf Essen schon. Der Foodmarket war eine Ansammlung von rechteckigen kleinen Bauten, deren Zwischengänge transparent überdacht war. Das heizte derart auf, dass ich nach kurzer Kaffeepause und Senfdegustation erst einmal in den botanischen Garten ging. Dort bestätigte sich meine etwas gewagte These, dass sich "der* Franzose* an sich" nur für Natur interessiert,  wenn sie hübsch aussieht oder essbar ist.


Es gab wunderbar in beschnittenem Buchsbaum gefasste Beete voller Blumen und Gemüse. Und natürlich Springbrunnen. Der Besuch hat sich mehr gelohnt als die etwas enttäuschende Cité, wo viele Geschäfte erst abends öffneten oder gleich ganz geschlossen hatten. Ich fand dann eine ganz nette Weinbar, mal wieder mit ausschließlich u30-Bedienung.

Insgesamt hat sich die Reise kulinarisch jetzt schon gelohnt, ich bin erstaunt, welche Qualität man hier (besonders mittags) zu fairen Preisen bekommt!

Und überall Leitungswasser umsonst dazu!

Und für den letzten Abend im Burgund habe ich einen Platz im Sterne-Restaurant L'Asperule reserviert. Geführt vom Japaner(!) Keigo Kimura. Ich freue mich drauf!