Freitag, 28. Dezember 2018

Tayrona Nationalpark

Irgendwas ist bekanntlich immer. Als wir im Tayrona Nationalpark ankamen führte unser Wanderführer ellenlange Gespräche mit den Angestellten am Eingang. Worüber, wissen wir nicht genau, es kam uns spanisch vor und klang furchtbar kompliziert. Dann durften wir mit dem Auto noch drei Kilometer in den Park bis zum Parkplatz und der Muli-Station fahren. Denn ab hier waren Autos verboten, die Wege unbefestigt und es ging vier weitere Kilometer zu Fuß weiter; schon wieder zu Fuß! Und die Koffer für 20.000 Pesos auf Mulirücken. Als wir an der Rezeption des "Hotels" (in Wahrheit ein Camping Platz mit Bungalows) ankamen, erfuhren wir, dass es weder Waschmaschine noch WLAN gibt.


Nun planen wir unsere Wäsche in Bogotá zu waschen und unsere Blog Einträge im Block zu bloggen (Stand 26. Dez).

Tayrona ist überraschend idyllisch. Es gibt weder WLAN, Fernsehen oder UKW-Radio. Es gibt ein Satelliten-On-Demand-Smart-TV-Kram-Zeug das irgendwie nicht funktioniert und dann wahrscheinlich nur auf spanisch.

Unser Bungalow ist eine hübsche Doppelhaushälfte mit Palmen-Reet-Dach. Wir haben fünf Betten, zwei Hängematten und eine Veranda. Rund zwei hundert Meter entfernt rauschen die Karibikwellen den Strand auf und ab und wiegen uns in den Schlaf. Nur zwanzig Meter entfernt surren die Zikaden sanft im Wald. Lediglich zwei Meter entfernt verrichten Blattschneideameisen unermüdlich und ununterbrochen ihre tägliche Arbeit.










Es gibt zwei Sorten von Stränden:
Die Badestrände sind überraschend sauber und regelrecht ruhig. Die Kolumbianer planschen. Schwimmen tun nur diejenigen Wenigen, die es in der Schule gelehrt bekamen.
Die Kaimanstrände sind gähnend leer. Menschen und Kaimane halten das Badeverbot ein, da die Strömungen so gefährlich sind. Hier kann man zwanzig Minuten und länger tun und lassen was man will und wird weder von Menschen noch von Kaimanen dabei gestört.

Die leeren Kaimanstrände:











Die Badestrände:



Es gibt bunte Vögel und Rot-Kopf- sowie Schwarz-Kopf-Geier. Die meisten Vögel singen nicht, sondern quieken, krächzen, knacken, gnurren, quietschen, pfeifen, tschilpen oder rülpsen.

Irgendwas ist ja bekanntlich immer. Das fehlende WLAN und die dreckige Dschungel-Wäsche sind nun mal so wie sie sind und anders ist besser. Aber was soll's. Eigentlich ist es zu heiß um sich aufzuregen.

Wir legen die Beine hoch, beobachten mit unseren Feldstechern Kolibris, Eidechsen, Geier und Kaimane und gehen gelegentlich zum Strand und genießen die aufgezwungene Isolation.

Verfasst an den Weihnachtsfeiertagen.

Online:
Bogotá, 28. Dezember 2018, ca. 16 Uhr

Tourists of the Caribbean 3

Acht Lektionen:

1. Entspann dich. Hier sind alle entspannt, freundlich, hilfsbereit. Sogar Grenzbeamte lächeln. Und die Kellnerin summt ein fröhliches Lied, während sie die Weinflasche nicht aufbekommt.

2. Irgendwas ist immer. Irgendwas fehlt immer. Aber irgendwie klappt es dann doch. Auch drei Angestellte für zwei Tische garantieren nicht,  dass nix fehlt. Ist auch egal. Und zu heiß.

3. Keine Paranoia. Es ist hier nicht sicherer oder unsicherer als an anderen Orten mit vielen Touristen. Und die Polizeipräsens dürfte selbst Bayern beeindrucken.

4. In der Stadt will  dir jeder was  verkaufen. Alle zwei Minuten wird man angesprochen. Kellner preisen ihr Restaurant,  Straßenhändler verhökern Schmuck, Hüte oder Getränke. Das ist oft ziemlich anstrengend. Aber dies ist ein armes Land und du bist im Vergleich reich. Und die Verkäufer verwickeln dich auch gern in ein nicht unangenehmes Gespräch über dein Land, geben Tips und man lernt ein paar neue Brocken Spanisch.
Ein sympathischer junger Mann zeigte uns im  Park von Cartagena Leguane und Faultiere in den Bäumen, bevor er uns Drogen anbot.

5. Das gilt nicht auf dem Land. Dort steht ein Bretterverschlag rum, manchmal mit einer Vitrine voller ungeordnetem Zeug, von dem man nie weiß,  ob das für den Verkauf oder Recycling gedacht ist. Auf jeden Fall kein Verkäufer. Man muss erst "tienda" brüllen, dann erscheint ein Sechsjähriger  mit einer Gürteltasche voller Wechselgeld.

6. Wenn der Guide auf einer Wandertour bei brütender Hitze und 40% Steigung sagt, es seien noch 20 min, dann ist das keine Zeitangabe, sondern eine Durchhalteparole.

7. Kolumbianer können nicht schwimmen. Schwimmen bedeutet hier, im hüfthohen Wasser zu stehen. Frauen halten sich dabei noch am Arm des Gatten fest. Um sich vor den eisigen Temperaturen des karibischen Meeres (28Grad) zu schützen, trägt man ein Trikot seiner Lieblingsmannschaft, Gummischuhe und eine Schwimmbrille. Am Strand reicht ein 40x60 cm Seidentuch zum Sitzen, dann trägt man eine zentimeterdicke Schicht Sonnenschutz auf. Da wird jedes Seepferdchen zum Rettungsschwimmer!

8. Die Kolumbianer sind die freundlichsten und hilfsbereitesten und warmherzigsten Menschen, die man sich vorstellen kann. Der Service ist chaotisch, Informationen werden verschlampt, nix funktioniert und alles ist laut. Aber man muss sie gern haben. Siehe Lektion 1.

Bogotá, Freitag, 28. Dezember, ca. 16 Uhr

Teyuna 1812; 20-24:

Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und von der Tyrannei der grünen Hölle. Gesegnet sei der, der in  Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der grünen Hölle geleitet. Ein Tal gefüllt mit Hitze Feuchtigkeit, Steine, Geröll, Matsch, Dreck, rostige Hängebrücken, Spinnen, Schlangen, Schweine, Hunde, Rabengeier, Königsgeier, Mulis, Dutzende Aufstiege und Dutzende Abstiege gepflastert mit Mulischeiße, Mücken, noch kleinere stechende Plagegeister, Schmerz, Flüsse, Stromschnellen, kontaminiertes Wasser, Morgentau, der jeden Rucksack und jedes T-Shirt und jede Socke befeuchtet oder sogar durchnässt.

Die rostige Hängebrücke im Dschungelcamp:



Beängstigende Spinnen:
Wilde Schweine:
Geier am Wegesrand:
Schwer gepackte Mulis die alles platttrampeln und vollscheißen:
Enge Wanderwege (stellt euch hier drin ein Muli vor!):
Flüsse und Stromschnellen:
Wasserfilter zur Herstellung von Trinkwasser:
Wer die grüne Hölle bezwingen will, um die Schätze der Ciudad Perdida zu bergen, muss sich drei  Einheimischen und Indigenas anvertrauen: dem Wanderleiter Yeison, dem Übersetzer Abraham und dem Koch Keysee.

Ein Tagesmarsch beginnt vor Sonnenaufgang um 6 Uhr, in der zarten Morgenröte, benetzt vom tropischen Morgentau, und muss vor Einbruch der stockfinsteren Nacht um 18 Uhr abgeschlossen sein.

Die Mittagshitze ist eine einzige Qual.

Wer all die Strapazen und die Tortur auf sich nimmt, wird feststellen, dass die Ureinwohner der Ciudad Perdida auf Steinkreisen ihre Hütten errichtet hatten, doch Stroh und Lehm schon längst verrottet sind.

Wer nach all den Strapazen endlich zur Ruhe kommt, wird gelernt haben, dass nicht die Ciudad Perdida die Perle des Dschungels ist, sondern die vielen Badestellen, die Wasserfälle, die Aussichtspunkte und die Naturwunder, die auf dem Weg liegen.

Die häufigste Umschreibung in unserer Wandergruppe für die Schönheit der Natur  lautete: Das ist ja wie in einem Kinofilm!

Landschaften mit der Karibik im Hintergrund:

Einzelne Bäume und Bäume behangen mit Flechten, Moosen, Bromelien und Lianen im Dschungel (reinzoomen!):



Blumen und Lianen:


Badegelegenheiten beim Dschungelcamp Casa Adan:







Das Dschungelcamp Casa Adan mit der rostigen Hängebrücke als Wäscheleine:


Badegelegenheiten beim Camp der Indigenas der Wiwa:





Nach zwei Tagen Strapazen und Dutzenden Auf- und Abstiegen nur noch 1.200 Treppenstufen hinauf zur Ciudad Perdida:

Teyuna, die verschollene Stadt, La Ciudad Perdida:






Santa Marta, 28. Dezember 2018, ca. 13 Uhr

Acht Tage offline

Weder im Dschungel noch am Meer gab es Wifi.
Aber wir haben einiges vorbereitet. Nun wird im Block gebloggt.

Santa Marta Airport, Mittagszeit