Mittwoch, 24. Juni 2026

Beaune

Nachdem ich das junge, muntere Dijon verlassen hatte, kam ich ausgerechnet an einem Sonntagnachmittag im kleineren Beaune an. Die Stadt wirkte wie ausgestorben,  was wohl auch der Hitzewelle (38°C im Schatten) geschuldet war.

Das Chateau de Beaune

Rechts mein Hotel


Ich beschloss, die hitzetauglichen Sehenswürdigkeiten zuerst zu besuchen, nämlich Kirchen und Parks.

Die Kathedrale ist im 13. Jh. noch romanisch begonnen worden, im clunezistischen Stil, dann kam Gotik und sogar etwas deplatziert wirkende barocke Anbauten dazu. 



Die Remparts bilden die alten Festungswälle bzw. -mauern der Stadt. Auf ihnen kann man spazieren gehen und aus der Stadt heraus auf die Hügel der Cote D'Or schauen oder in die Stadt hinein auf alte Gemäuer, Gassen und Höfe.




Leider wurde mein geplanter Rundgang unterbrochen,  weil ein Teil der Anlage geschlossen war. Wie auch ziemlich viel anderes...

Immerhin war die Hauptattraktion der Stadt geöffnet,  nämlich die Hospices oder Hôtel de Dieu. 1443 von Nicolas Rolin, dem Kanzler des Burgunder-Herzogs Philipp des Guten, gegründet und bis 1971 als Krankenhaus genutzt. Bezahlt mit dem Geld der Salinen, die seine Frau Guigone besaß. Aber die vielen Hinweise in Balken, Teppichen und Steinen auf Rolins "Seule", seiner einzigen, waren wohl der Liebe und nicht der Dankbarkeit geschuldet. Später kamen Schenkungen von Weinbergen durch diverse Adlige dazu und bis heute sind die Weine der Hospices die Haupteinnahmequelle der wohltätigen Stiftung und werden zu happigen Preisen verkauft.


Die Kapelle mit v.d.Weydens "Jüngsten Gericht " als Kopie



Da man dachte, dass schlechte Luft die Krankheiten verursachte, gab es nur die kleinen Löcher im Dach zur Belüftung. Und man legte zwei Patienten in ein Bett, damit die sich wärmen konnten.


2-Klassen-Medizin gab es auch schon. Der Raum für Adlige und reiche Bürger.

Das Essen im Krankenhaus war anscheinend früher besser...

Coole Wasserhähne 

Apotheke 




Das "Jüngste Gericht" in der Vorstellung Roger von der Weydens im Original (aus konservatorischen Gründen in einem Nebenraum mit schönen Tapisserien)


Abends erwachte die Stadt dann dank der Fête de la musique zum Leben und ich konnte mit Blick auf die Band speisen und beim zweiten Set auch mitfeiern.


Wortspiel für frankophone: salade bleu et noix

Tête de veau 

Nach dem anfänglichen Kulturschock war ich dann auch mit dem etwas verschlafenen, aber ganz hübschen Beaune versöhnt, was auch mit der zweiten Attraktion des Örtchens zu tun hatte, dem Wein. Davon gab es oft auch gute Lagen (und davon gibt es viele hier) im offenen Ausschank, so dass ich mir glasweise die Region ertrinken konnte. 

Intellektuell vertiefen konnte ich das in der Cite des Climats am Stadtrand, wo ich in einem multimedialen Museum vom Boden bis zum Etikett, vom urzeitlichen Meer bis zu den Herausforderungen des Klimawandels umfassend über den Weinbau Burgunds informiert wurde. An frisch bestückten Glasballons konnte man auch die Nase schulen ("weiße Blüten", "Leder"...). Ich war also gut vorbereitet auf die Weinschule, in der ich einen Kurs in Weinverkostung erhielt. 




Blick von der Dachterrasse auf die Côte de Beaune. Die erfuhr ich mit dem Rad....(Wortspiel!Teaser!)